Filmempfehlung: Into the Wild

Manchmal gibt es diese eher selten zu findenden Filme, da weiß man einfach von Anfang an, man schaut hier gerade etwas ganz Besonderes. Ein Film, welcher einem Montag morgen im Bus, auf dem Weg zur Arbeit, ins Gedächtnis springt, während man sich noch im Halbschlaf instinktiv am Sitz des Vordermanns festklammert.

Ein Film, an den man sich dann gerne wieder zurück erinnert, wenn man abends in der Warteschlange des Supermarktes steht und sich Zentimeter für Zentimeter im Gleichschritt Richtung Kasse schieben lässt. Kurz gesagt, ein Film, den man einfach nicht so schnell vergessen wird – vielleicht sogar nie. Sean Penns vierte Regiearbeit „Into the Wild“ aus dem Jahr 2007 basiert auf einer wahren Geschichte und ist einer dieser ganz besonderen Streifen.

Lauflänge: 148 Minuten | Jahr: 2007 | Regisseur: Sean Penn
Folgende Streams verfügbar: Maxdome, Netflix, Amazon Prime
(Stand 08.01.2016)

Christopher McCandless, 22 Jahre alt, intelligent, gutaussehend, selbstbewusst und ein echter Querdenker, hat gerade mit Bestnoten sein Geschichts- und Anthropologiestudium an der Emory University in Atlanta abgeschlossen. Er liebt die Natur und das Leben, hält nichts vom verschwenderischen Exzess, besitzt kein Telefon und findet Inspiration in den Büchern und Geschichten von Jack London, Tolstoy und Thoreau.

Das nächste Ziel ist Harvard, um sich dort auf eine Karriere als rechtschaffener Anwalt vorzubereiten – zumindest wenn es nach Christophers Eltern gehen würde. Denn für sie gehört es zum guten Ton, stets hart zu arbeiten, einem anständigen Beruf nachzugehen, die Regeln zu befolgen und nicht den ausgetretenen Pfad zu verlassen. Ohne diese Tugenden kann man sich im Leben nicht an die Spitze kämpfen. Und nur dort soll ihr Sohn schließlich hin.

Um dies zu schaffen, bieten sie Christopher nicht nur an die restlichen Kosten seine Stipendiums zu übernehmen, sondern wollen ihm auch noch ein neues, schickeres Auto vor die Tür stellen – der alte, verrostete Datsun passt einfach nicht zu einem jungen Anwalt wie sie finden. Chris lehnt ab.

Materialismus, Geld und Konsum sind für ihn nur die traurige Fassade seiner Eltern, eine kalkulierte Lüge um sich anzupassen. Und „sich anpassen“ ist etwas, dass der lebenslustige Individualist Christopher nicht mehr akzeptieren möchte. Er sieht in all dem nur eine Ablenkung auf der Suche nach sich selbst.

Christopher spendet die restlichen 24.000 $ seines Stipendiums an eine wohltätige Organisation, zerschneidet Ausweise und Kreditkarten und tritt eines Tages unter seinem neuen Namen „Alexander Supertramp“, zu Fuß und nur mit seinem Rucksack bewaffnet, endlich seine lange geplante Reise quer durch die USA an.

Als einfacher Wanderer lässt er schnell Großstadt und Anwaltsstudium hinter sich, hält sich mit einfachen aber erfüllenden Minijobs über Wasser und trifft auf seinem Selbstfindungstrip immer wieder auf interessante Menschen, die ihn inspirieren, bewundern, aber auch kritisieren und seine Entscheidungen in Frage stellen.

Doch niemand scheint ihn von seinem verrückten Vorhaben abhalten zu können, den endgültigen Trip in die raue und harte Wildnis von Alaska zu wagen. Ein Vorhaben, dass Christopher von Anfang an geplant hatte und das ihn seinem ultimativen Ziel endgültig näher bringen wird – ein Leben in perfekter Harmonie mit der Natur, ein Leben in totaler Einsamkeit.

Hintergrundinformationen zum Film:
Sean Penn (55), ein extravaganter und politisch sehr aktiver Schauspieler, der durch Rollen in Filme wie Mystic River, Carlito´s Way und U-Turn weltberühmt wurde, führte Regie bei diesem auf einer wahren Geschichte beruhenden Film.

Penn kämpfte zunächst gut 10 Jahre lang für die Rechte am gleichnamigen Buch von Autor John Krakauer. Dieser hatte die abenteuerliche Story des Aussteigers Christopher Johnson „Chris“ McCandless 1996 veröffentlicht. Das Buch stand für die nächsten 2 Jahre auf der Bestseller Liste der New York Times.

Für seine Charakterstudie, die bei Kritikern und Publikum gleichermaßen gut ankam und mittlerweile einen echten Geheimtipp unter Filmkennern darstellt, zog Penn, der alle Szenen an echten Schauplätzen drehen ließ, den damals noch recht unbekannten Schauspieler Emile Hirsch für die Rolle als Chris bekannteren Gesichtern vor.

Hirsch, der für diese Rolle 20 Kilo abnahm und all seine Stunts selbst ausführen durfte, gelang bis heute leider nicht der wirkliche Durchbruch in Hollywood. Mit Filmen wie Speed Racer und Alpha Dog konnte er keinen hohen Bekanntheitsgrad erlangen. Dafür überzeugt er umso mehr in diesem biographischen Film in der Rolle des Christopher McCandless.

In den Nebenrollen können William Hurt und Marcia Gay Harden als versnobte Eltern, sowie Jena Malone, bekannt aus Donni Darko und Sucker Punch, als verständnisvolle Schwester und einzige Person, die Christopher wirklich zu kennen scheint, ebenfalls überzeugen.

Fazit:
Into the Wild ist für mich ein kleines Meisterwerk. In unserer modernen Zeit führen Comic-Verfilmungen und Blockbuster wie Transformers und The Fast and the Furious die Kinocharts an. Die besseren Filme aber sind doch die, welche den Zuschauer in eine Welt weit ab von der Realität entführen.

Mir steht der Sinn nach etwas Anderem.Das Verlangen nach Phantasie und neuen Perspektiven. Anregende Gedanken und Ideen. Ein Weg aus der sogenannten Alternativlosigkeit des modernen Lebens. Auch wenn der gezeigte Weg scheitert.

Die Sicht auf parallele Welten ist so groß wie nie und war schon immer ein Teil des Medium Films. Eskapismus pur eben, die schnelle Flucht aus unserem Alltag. „Into the Wild“ schafft genau diese Flucht aus dem täglichen Wahnsinn, indem Sean Penn mit seinem Film die ruhigen Momente gekonnt ins Rampenlicht rückt, um den Zuschauer ohne Kitsch und Überheblichkeit wieder daran zu erinnern, was es eigentlich bedeutet Mensch zu sein – raus aus dem Alltag und zurück in ein ursprünglicheres Leben.

Durch seine zurückhaltende und sensible Art lassen die tollen Naturaufnahmen uns Zuschauer mal wieder durchatmen und entspannt versinken. Hier explodiert nichts, hier gibt es keine Effekte aus dem Computer, alles wirkt echt. Dabei spiegelt die Musik von Eddie Vedder in jeder Szene gekonnt die Gefühlslage unseres Protagonisten wieder – von Melancholie über wahre Freude bis hin zu tiefer Trauer und Einsamkeit ist alles dabei. Der Soundtrack selbst lohnt meiner Meinung nach das Anschauen dieses Films.

Was ist Leben? Was ist Gesellschaft? Was ist das Ziel? Der Zuschauer hat Zeit, sich über all diese Fragen im Laufe des ca. 148 Minuten langen Films Gedanken zu machen. Die Banalitäten des Alltags, das eventuelle Dasein unserer schnelllebigen Gesellschaft, der Apparat, der sich Arbeit und Job nennt – all das sind Dinge, die die meisten von uns kennen, die jeder von uns mitbestimmt und vielleicht auch satt hat.

Dennoch versuchen möglichst viele so schnell wie möglich einen Platz in der oberen Schicht zu ergattern, schließlich lebt man dort sorgenfrei und angesehen – zumindest sieht es der Hauptdarsteller Christopher so. Und er verachtet diesen Lebensstil. Für ihn selbst gibt es mehr dort draußen, als nur das Streben nach Geld, Macht und Ruhm. Er sucht und findet während seiner langen Reise echte Glücksmomente in der Schönheit der Natur und erfährt nach Jahren endlich wieder eine tiefe, innere Ruhe, die ihn mehr erfüllt, als alles andere was er bisher erlebt hat.

Doch dabei stößt er auch immer die Menschen von sich fort, welche ihn von Herzen lieben und sich um ihn sorgen. Sobald er merkt jemand kommt ihm zu nahe, zieht er unverzüglich weiter. Rastlos streift er umher, stets auf der Suche nach der absoluten Balance zwischen Mensch und Natur. Der Preis, den er dafür zahlen muss, ist die selbstgewählte Einsamkeit.

Der Film schafft es gekonnt die Verletzlichkeit des Charakters und die Begründung seiner Taten darzustellen und wir als Zuschauer sind hin- und hergerissen, zwischen seinem Ausstieg in die Wildnis und dem hohen Preis der damit einhergeht.

Into the Wild ist wunderschön fotografiert, erzählt eine wichtige Geschichte, ist dabei spannend, furchtlos und einfach unvergesslich. Denn insgeheim bringt Christopher den Mut auf, den viele von uns sich einfach nicht leisten können. Diesen Schritt zu gehen, trauen sich nicht viele: sein eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen und endlich damit anzufangen richtig zu leben.

Thorsten Kreuzenbeck
Seit 2011 Teil des Teams und hauptverantwortlich für den Kundenservice. Betreut nebenbei auch die Social Media Kanäle. Bevorzugt Apple Geräte zur Koordination der verschiedenen Arbeitsabläufe, ist berufsbedingt jedoch auch mit den anderen Herstellern vertraut. In der Freizeit überwiegend am PC oder der Playstation unterwegs, zudem ein absoluter Film- und Serienjunkie.
Avatar

Autor: Thorsten Kreuzenbeck

Seit 2011 Teil des Teams und hauptverantwortlich für den Kundenservice. Betreut nebenbei auch die Social Media Kanäle. Bevorzugt Apple Geräte zur Koordination der verschiedenen Arbeitsabläufe, ist berufsbedingt jedoch auch mit den anderen Herstellern vertraut. In der Freizeit überwiegend am PC oder der Playstation unterwegs, zudem ein absoluter Film- und Serienjunkie.