Filmempfehlung: Victoria

„Die Prinzessin und die vier Löwen“ – so beschreibt Autor und Regisseur Sebastian Schipper die simple aber spannende Geschichte seines 140 Minuten langen und in Echtzeit gedrehten Meisterstücks „Victoria“. Victoria ist eine junge, hübsche und abenteuerlustige Spanierin die ohne Deutschkenntnisse bereits seit 3 Monaten in Berlin lebt.

Nachdem Sie Ihren Traum von einer Karriere als Pianistin nicht verwirklichen konnte, arbeitet Sie nun für ein mageres Gehalt als Aushilfe in einem kleinen Café. Ohne wirkliche Zukunftspläne und echte Freunde, lebt das talentierte aber auch labile Mädchen ziellos von einem Tag in den anderen hinein.

Lauflänge: 134 Minuten | Jahr: 2015 | Regisseur: Sebastian Schipper
Folgende Streams verfügbar: Netflix
(Stand 29.11.2016)

Immer auf der Suche nach einer Möglichkeit Ihrer Situation zu entfliehen, tanzt Sie so eines Tages völlig unbeschwert und ausgelassen alleine in einem Nachtclub irgendwo in Berlin. Gerade als sie leicht deprimiert und angetrunken den Club verlassen möchte, trifft Sie auf den jungen Berliner „Sonne“ (Frederick Lau) und seine drei Kumpels „Blinker“ (Burak Yigit), „Fuß“ (Max Mauff) und „Boxer“ (Franz Rogowski).

Aus der lockeren Anmache von Sonne entsteht schnell ein zwangloses Gespräch zwischen der Berliner Clique und der jungen, kontaktfreudigen Spanierin. Man wird sich einig, einfach zusammen durch die Gassen Berlins zu schlendern und noch ein paar Biere trinken zu gehen.

Endlich scheint Victoria etwas Abwechslung in Ihrem tristen Alltag zu bekommen. Doch die Nacht ist noch jung und in den nächsten zwei Stunden wird sich Ihr Leben komplett verändern. Denn die 4 Löwen sind hungrig und haben ein passendes Opfer gefunden.

Einen Film in Echtzeit zu drehen bedeutet, dass jede vergangene Minute für uns Zuschauer auch genauso lange für die Protagonisten im Film abläuft. Solche eine Filmtechnik hat Alfred Hitchkock bereits 1948 in seinem Film „Cocktail für eine Leiche“ zum Besten gegeben. Auch in dem Klassiker „12 Uhr Mittags“ von Fred Zinnemann aus dem Jahre 1952 wurde die dargestellte Zeit mit der eigentlichen Erzählzeit zusammengelegt.

Diese spannende Filmtechnik ist also nichts Neues. Doch einen Film ohne einen einzigen Schnitt abzudrehen und sich dabei nicht nur, wie etwa bei einem Theaterstück, auf eine einzige Location zu beschränken sondern mit der Kamera durch die Straßen von Berlin zu bewegen ist dann wieder etwas ganz Anderes.

Dabei wurden diese Straßen nicht extra für diesen kleinen Film abgesperrt. Auch der Großteil der Dialoge selbst sowie die Aktionen der jeweiligen Schauspieler waren improvisiert (das Script war nur 12 Seiten lang). Sebastian Schipper und seine Crew hatten nur ganze 3 Versuche um diesen einen „One Take“ in den Kasten zu bekommen.

Und was der Zuschauer am Ende zu sehen bekommt ist dann auch tatsächlich der 3. und letzte Versuch gewesen, welcher zum Schluss spektakuläre 140min. lang geworden ist.

Aufgrund der Machart von „Victoria“ (kein Schnitt und somit keine Zeitsprünge) könnte man davon ausgehen, dass der Zuschauer hier keine große Charakterentwicklung zu sehen bekommt. Doch durch die geniale Kameraarbeit von Sturla Brandth Grøvlen, welcher das vermeintlich chaotische Geschehen stets ins rechte Licht zu rücken weiß und die fast schon greifbaren, absolut authentisch spielenden Akteure, entfesselt der Film eine ganz eigene Faszination die ich bisher noch in keinem anderen Kinofilm erleben durfte.

So wird man ganz schnell ein Teil dieser, durch die Berliner Nacht ziehenden, jungen Truppe und erlebt den bodenständigen und ohne viel Schmuckwerk angereicherten Film hautnah mit. Victoria ist endlich mal wieder ein Film aus Deutschland, der spannend, frisch und gänzlich anders ist als das, was man mittlerweile von unserer einstigen Filmhochburg gewohnt ist.

Hier trifft eine einfache Geschichte auf eine komplexe Filmtechnik, hier treffen improvisierte Dialoge auf perfekt aufeinander abgestimmte Szenen.
Regisseur Sebastian Schipper und seine Crew haben eine kleine Filmperle erschaffen und uns als Zuschauer bleibt am Ende nur eine einzige Frage im Kopf hängen: „Wie haben die das nur gemacht?“

Thorsten Kreuzenbeck
Seit 2011 Teil des Teams und hauptverantwortlich für den Kundenservice. Betreut nebenbei auch die Social Media Kanäle. Bevorzugt Apple Geräte zur Koordination der verschiedenen Arbeitsabläufe, ist berufsbedingt jedoch auch mit den anderen Herstellern vertraut. In der Freizeit überwiegend am PC oder der Playstation unterwegs, zudem ein absoluter Film- und Serienjunkie.
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Autor: Thorsten Kreuzenbeck

Seit 2011 Teil des Teams und hauptverantwortlich für den Kundenservice. Betreut nebenbei auch die Social Media Kanäle. Bevorzugt Apple Geräte zur Koordination der verschiedenen Arbeitsabläufe, ist berufsbedingt jedoch auch mit den anderen Herstellern vertraut. In der Freizeit überwiegend am PC oder der Playstation unterwegs, zudem ein absoluter Film- und Serienjunkie.